Mitropa-Cup Teil 2

Achtung Spoiler! Lösung für Tripoteau-Huschenbeth: 1…Sh5 2.De5 (andere Felder stehen nicht zur Verfügung) Lf6! 3.Dxh5 (De3 d4; Dxd5 Lxc3 bxc3 Dxd5 -+) g6 und die weiße Dame ist gefangen.

Lösung für Huschenbeth-Rapport 1.Sxd5!! Dxd5 (exd5 De7+ Kg8 Dxd7 und der weiße Angriff entscheidet; Lf8 Dd4 exd5 Te5! +-) 2.Txf6+!! Kxf6 (Kg8 De7) 3.Tf1+ Lf4 (Kg7 De7+ nebst matt.; Kg5 De7+ Kh5 Le2+ und baldigem Matt; Ke5 Dc7+ Dd6 Te1+ Kd5 c4+ bxc4 Dxc4++; Df5 Lxf5 exf5 Dd4+ Ke7 Te1+ Le6 De5 und Schwarz verliert weiteres Material) 4.Txf4+ Kg5 5.De3! Kh5 (sonst folgt ein Turmabzug) 6.Txh4+! Kxh4 7.Df4+ Kh5 8.g4+ Kh4 9.g5+Kh5 10.Le2+ Kg6 11.Df6+ Kh7 und 12.Df7 matt. Weiter im Text:

In Runde 5 wurde dann Frankreich A knapp, aber souverän mit 2,5-1,5 besiegt, wobei Matthias den Sieg des Tages beisteuerte. Jetzt wurde es ernst, Italien war unser nächster Gegner und die Italiener nehmen den Wettbewerb ganz besonders ernst, treten sie doch jedes Jahr quasi mit der Nationalmannschaft an; nur Caruana fehlte diesmal. Da die Italiener schon Federn gelassen hatten mit einer Niederlage gegen Österreich, mussten sie jetzt unbedingt gewinnen. Wieder remis an den Brettern 1-3 und wieder kam es auf Matthias an. In einem komplizierten Benoni hatte er bald einen Bauern mehr, aber die Stellung blieb hochtaktisch und in beidseitiger Zeitnot kippte die Partie. Diese Niederlage war zwar ärgerlich, aber dennoch blieben wir mit einem halben Brettpunkt Vorsprung an der Tabellenspitze. Jetzt zählten nur noch Siege und mit Frankreich B schien auch der richtige Gegner auf uns zu warten. Und tatsächlich, mit 4:0 schlugen wir sie quasi en passant. Na gut, das ist vielleicht ein wenig überheblich ;) Hier meine Gewinnpartie, die den Weg zur späteren GM-Norm ebnete:

Nun lag in Runde 8 der letzte Prüfstein auf unserem Weg, die unerbitterlichen Tschechen. Sie hatten im Turnier zuvor nichts gerissen und wollten jetzt wenigstens noch den Tabellenführer ärgern. Und es wurde es ein heißer Kampf: Bei mir kam die Vorbereitung aufs Brett, aber meine Stellung gefiel mir trotzdem nicht. Michael zerstörte (das ist nicht übertrieben) seinen Gegner in 20 Zügen, aber Andreas und Matthias machten mir ein wenig Sorgen. Tatsächlich verlor Andreas unsere insgesamt dritte Partie im gesamten Wettbewerb, aber dabei sollte es auch bleiben. Matthias willigte ins remis ein und ich war insofern ziemlich entspannt, da meine Stellung an diesem Punkt auf jeden Fall unverlierbar war. Trotzdem wurde es doch noch mal spannend, weil ich auf meiner vergeblichen Suche nach einem Gewinnplan die komplette Zeit verbrauchte und mein Gegner mit Bauer weniger mein Remisangebot ablehnte. Dann musste ich zwar noch ein bisschen schwitzen, aber nach ein paar Zügen bot der Tscheche seinerseits remis an und das 2:2 stand fest. Witzigerweise hatten die Italiener währenddessen gegen Frankreich B, die wir zuvor mit 4:0 besiegten, 1,5-2,5 verloren und waren jetzt 2 Mannschaftspunkte hinter uns.

In der letzten Runde wartete nun Österreich, die bis dato auch ein sehr gutes Turnier gespielt hatten, auf dem dritten Platz lagen und mit einem 4:0 über uns sogar noch hätten Erster werden können. Ich benötigte mit den weißen Steinen gegen David Shengelia nur noch ein Unentschieden, um die letzte GM-Norm und damit den Titel zu sichern; deshalb bot ich schon früh in der Eröffnung an. Nach kurzer Unterredung mit seinem Coach nahm er an und kurz darauf offerierten auch die anderen Österreicher ein Friedensangebot, was wir nur zu gerne akzeptierten. Damit erreichte Österreich das beste Mitropa-Cup-Ergebnis seit Anbeginn der Zeit und wir wurden nach neun Jahren endlich mal wieder Erster, hallelujah!

So, bevor man mir frauendiskriminierende Absichten unterstellt, natürlich noch ein Wort zu dem Frauenturnier: Die Damen spielten auch beide ein phänomenales Turnier; die Ergebnisse von +4 für Filiz und +6 (!) für Melanie sprechen für sich. Dennoch reichte es leider nicht ganz zum Doppel-Gold, da die Italienerinnen noch ein Tick stärker waren. Aber selbstverständlich ist auch die Silbermedaille aller Ehren wert.

Insgesamt muss ich mit Freude feststellen: so etwas habe ich noch nicht erlebt! Normalerweise hat man bei einem Teamwettbewerb immer mindestens einen, der aus der Reihe fällt und ein schlechtes Turnier erwischt. Aber hier haben einfach alle gut, nein grandios gespielt. Okay, von Michael und Andreas wusste ich, dass sie pro Turnier maximal eine Partie verlieren, aber zum einen war ich sehr positiv von Matthias überrascht, der nur knapp an seiner letzten IM-Norm vorbeischrammte (ein IM fehlte), und zum anderen von mir selbst. Ohne mich mit Selbstlob überschütten zu wollen, habe ich das qualitativ beste Turnier meiner Laufbahn gespielt und kam nie nur annähernd in Verlustgefahr. Puh, hier riecht es irgendwie unangenehm.

Also ich sage merci beaucoup, Frankreich, für ein hervorragend organisiertes, schönes Turnier!

Mitropa Cup Mannschaftsfoto

v.l.n.r.: Matthias Blühbaum, Filiz Osmanodja, Michael Prusikin, Melanie Ohme, Ihr Autor und Andreas Heimann (Foto von Melanie Ohme)

4 Kommentare
  1. 2.Txf6 ist der Hammer bei Teil 1, schade dass ihr euch auf Remis geeinigt habt!

    Tolle Beiträge, hoffentlich folgen noch bald weitere :-)

  2. Schöner Beitrag Herr Huschenbeth! Ich habe Ihre Partien häufig verfolgt, Glückwunsch zur letzten Norm, und weiter so!

    Noch eine Frage: Wie bereiten Sie sich konkret auf Ihre Gegner vor? Schauen Sie da immer was der Gegner spielt, oder bereitet Sie sich auch mental auf die Partien vor?

  3. Hallo Herr Müller,

    vielen Dank für Ihre netten Worte. Wenn ich mich auf einen Gegner vorbereite, schaue ich zuerst, was er zuletzt gespielt hat. Dann prüfe ich das Gesamtbild, d.h. welche Varianten mein Gegner in seiner gesamten Laufbahn schon häufig auf dem Brett hatte. Daraus resultierend kann ich einschätzen, wie viel Zeit ich für die eine oder andere Variante aufwenden muss, um die Stellung genauso gut zu kennen wie mein Gegner. Mentale Vorbereitung gibt es bei mir nicht; ich achte lediglich darauf, dass ich nicht unbedingt bis zur letzten Sekunde vorbereite und noch etwa 10 Minuten Zeit habe zum Entspannen.

  4. Sehr schöne partie, und instruktive analyse!

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