3,5-0,5 Deutschland-Ukraine

Was auf den ersten Blick nur einen Schreibfehler oder den vollkommenen Verlust des Realitätssinns vermuten lässt, geschah gestern so bei der Mannschafts-Europameisterschaft in Griechenland. Deutschland demütigte den amtierenden Olympiasieger Ukraine mit einem Ergebnis, dass auch in der Höhe verdient ist. Was war passiert?

Den ersten Fehler begangen die Ukrainer schon bei der Aufstellung: In einem Anflug von Arroganz ließen sie ihren besten Mann Vassily Ivanchuk pausieren, quasi nach dem Motto „Gegen Deutschland reichts auch so“. Ha, denkste! Denn die deutschen Herren, in der Besetzung Arkadij Naiditsch, Georg Meier, Daniel Fridman und Jan Gustafsson, erwischten einen richtigen Sahnetag:

Im Duell Ponomariov-Naiditsch an Brett 1 hatte letzterer keine Probleme in der Eröffnung und glich früh aus. Beim anschließenden Mittelspielgeplänkel konnte er die Oberhand erlangen und kam in ein erst gutes, dann klar besseres Endspiel. Nach viereinhalb Stunden und 55 Zügen war der Sieg perfekt. Chapeau! Einen Ponomariov mit Schwarz zu schlagen ist eine mehr als beachtenswerte Leistung. An Brett zwei hatte es Georg Meier mit Pavel Eljanow zu tun. Der Ukrainer ist seit geraumer Zeit nicht mehr richtig in Form, vor genau einem Jahr rangierte er noch auf Platz 6 der Weltrangliste; mittlerweile ist er auf Nr. 54 abgerutscht. Woran es liegt, weiß man nicht genau. Trotzdem ist er natürlich immer noch bärenstark; gegen Meier wählte er mit Schwarz einen Stonewall-Aufbau, der ihm schon bald eine angenehmere Position bescherte. Die Stellung war aber alles andere als einfach, weshalb beide Spieler früh viel Zeit verbrauchten. In der deshalb unvermeidbaren Zeitnotschlacht machte Eljanov schließlich den letzten Fehler und Meier gewann. Dies war die einzige Partie, in der das Resultat lange ungewiss war. Fridman an 3 hatte keine Schwierigkeiten ein Schwarzremis gegen den 50-Elo schwereren Moiseenko einzufahren.
Deutschland gegen Ukraine
Quelle: ChessBase
Der aber größte Elounterschied war an Brett 4 auszumachen, an dem Jan Gustafsson (2633) mit Weiß gegen Zahar Efimenko (2702) spielte. Und der Hamburger avanciert immer mehr zum Helden der deutschen Mannschaft:

In der ersten Runde hatte er noch unglücklich eine vorteilhafte Stellung zum Remis verdorben, als er, um Zeit zu gewinnen, einmal zu oft die Züge wiederholte und somit eine dreifache Stellungswiederholung zuließ. Das hielt ihn aber nicht davon ab in Runde 3 gegen Ungarn einen Big Point zu erkämpfen und nun gegen die Ukraine noch mal einen drauf zu setzen. Ich habe es mir erlaubt, sein Meisterstück zu analysieren:

Mit diesem epischen Sieg (ich war noch nie um Superlativen verlegen) rückte Deutschland gar auf Platz 1 vor, wann gab es das zuletzt! Leider setzte es heute eine Niederlage gegen Bulgarien, aber meine Euphorie ist ungetrübt. Jetzt heißt es morgen wieder angreifen und Italien weghauen!

1 Kommentar
  1. Dieses Match war der Grundstein für den absolut einmaligen Erfolg! Europameister!!! Vielleicht schaffen Sie es ja auch bald, Herr Huschenbeth :-)

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